Unabhängig Wein kaufen nach Etikett: Mit diesen 6 einfachen Tipps schaffst du das auch

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Ben White/Unsplash

Du stehst im Supermarkt. Der Einkauf liegt schon im Einkaufswagen. Ach ja, dein Weinvorrat ist leer. Du brauchst noch ein Fläschchen Wein! Auf zum Weinregal. Und dort? Das Weinsortiment. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer einer ratlosen Weinkaufenden...
Wie wunderbar wäre es, wenn du EINFACH einen Wein auswählen könntest, der mit SICHERHEIT zu dir und zu deinem Geschmack passt? Mit meinen sechs Tipps geht das problemlos und wie genau verrate ich dir in diesem Blogartikel.

Auf meine Frage hin, nach welchen Kriterien viele Frauen Wein im Supermarkt auswählen, höre ich oft ein verschämtes „Na ja, nach dem Weinetikett“. Denn: Wein kaufen nach Etikett scheint peinlich zu sein.

 

Doch ich kann dir ein Geheimnis verraten: Im Supermarkt kaufe ich im Prinzip auch immer nach Etikett. Und du solltest das auch tun!

Wein kaufen nach Etikett: Das Auge trinkt DOCH mit

 

Winzer und Designer verbringen Wochen damit, ein stimmiges Konzept für das Outfit eines Weines zu finden. Dazu gehört alles mögliche: Etikettenpapier, Logo, Farben, Schriftarten und -größen, Formulierungen. Hinzu kommen Flaschenform, Flaschenfarbe, Verschlussart, Kapsel… Die Liste ist könnte ich unendlich weiterführen.


Im Prinzip hast du keine Wahl: Im Supermarkt oder Discounter musst du Wein nach Etikett kaufen. Bei Obst oder Gemüse kann man die Qualität ziemlich einfach nach dem äußeren Erscheinungsbild beurteilen. Beim Wein ist das fast unmöglich. Bestimmt hast du schon mal eine Flasche Wein mit ansprechendem Äußeren gekauft und beim Wein hat es dich so richtig geschüttelt.


Es geht um das gelungene Gesamtkonzept: Die Flasche soll Lust auf den Wein machen UND der Wein soll super schmecken!


Hier kommen meine sechs Tipps, wie du recht sicher einen Wein auswählst, der zu dir passt.

Tipp 1: Deutsche Weinguts-Weine auswählen

 

Es ist kein Geheimnis: Ich bin ein Fan von Deutschen Weinen! Ein großer Vorteil bei deutschem Wein ist, dass du das was auf dem Etikett steht auch lesen kannst.


Außerdem findet man unter den deutschen Weinen im Supermarkt oft Winzerweine. Das heißt, hinter der Weingutsbezeichnung steht ein „echtes“ Weingut in dem dieser Wein auch hergestellt wurde. Das ist auch erkennbar an der Angabe "Gutsabfüllung" oder "Erzeugerabfüllung".


Im Gegensatz dazu verkaufen die großen Weinkellereien (z.B. Peter Mertes, Mack & Schühle, bzw. Peter Riegel im Bio-Bereich) oft Markenweine. Das sind Cuvées aus verschiedenen Rebsorten von vielen verschiedenen Winzern. Cuvée heißt übrigens soviel wie „Verschnitt“ bzw. „Vermischung“ verschiedener Fässer, nur dann Winzer-mäßig ausgedrückt. Von diesen Großkellerei-Weinen habe ich bisher nur wenig leckere getrunken. Ich würde dir hier auch unbedingt dazu raten, dich im höheren Preissegment zu bewegen.


Faustregel: Wenn auf dem Rückenetikett „Gutsabfüllung“, „Erzeugerabfüllung“ oder „Abfüller: Weingut XYZ“ steht, sage ich: Super, kommt in die engere Auswahl!

Tipp 2: Rebsorten-Weine bevorzugen

 

Eine gute Indikation für den Geschmack ist die Rebsorte. Diese Angabe ist für mich ein absolutes MUSS, denn die Rebsorte gibt eine geschmackliche Großrichtung vor.

Wenn du einen Wein mit Rebsorten-Angabe kaufst, hast du die Information, die du dazu brauchst, dir ein Bild über deine Geschmacks-Wahrnehmung zu machen.

 

Ich persönlich würde zum Beispiel eher zu einem Wein der Rebsorte Riesling tendieren, weil ich spritzige Weißweine mit einer kräftigen Säure mag. Wer es milder in der Säure mag, wie beispielsweise der Lebensfreudige Wein-Geschmackstyp, wählt einen Weiß- oder Grauburgunder. Bei den Rotweinen würden die Filigran-Trinker wahrscheinlich einen Wein der Rebsorte Spätburgunder. Diejenigen, die ihren Wein lieber vollmundig mögen, werden einen Dornfelder oder Regent bevorzugen.

Tipp 3: Geschmacksangabe trocken, halbtrocken, lieblich oder feinherb

 

Was heißt denn eigentlich trocken, halbtrocken und lieblich? Das ist im deutschen Weingesetz klar geregelt und soll dem Verbraucher helfen die Weine einschätzen zu können.

Es geht hier allerdings nur um den sogenannten Restzuckergehalt bzw. die Restsüße. Das ist der Zucker, der während der Gärung nicht komplett in Alkohol umgewandelt wurde.

  • Bei trockenen Weinen ist das bis maximal 9 Gramm pro Liter Restzucker,
  • bei halbtrockenen Weinen bis 18 Gramm pro Liter und
  • bei lieblichen Weinen bis 45 Gramm pro Liter.
  • Danach kommt noch süß – ab 45 Gramm pro Liter Restzucker. Das ist dann schon ziiiemlich süß…

 

Wenn auf dem Etikett nicht ausdrücklich „trocken“ steht kannst du in der Regel davon ausgehen, dass der Wein mindestens halbtrocken ist. Welche Richtung du wählst ist Geschmackssache.

 

Es gibt eine weitere zugelassene Angabe, die du häufig finden wirst, nämlich feinherb. Feinherb gibt dem Winzer einen gewissen Interpretations-Spielraum. Ganz im Sinne von „feinherb ist das, was feinherb schmeckt“. In der Regel sind diese Weine halbtrocken, haben aber oft auch einen kräftigen Geschmack. Probiere einfach mal aus!

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Tipp 4: Mittlere Preis-Kategorie

 

Wo im Weinregal du dich umschauen musst, liegt auch oft am Preis. Denn eine der Fehler, den viele Leute machen, ist zu wenig Geld auzugeben für Wein. Doch wieviel solltest du für eine Flasche Wein ungefähr ausgeben?


Die Rechnung ist recht einfach: Etwa ein Euro wird kalkuliert für die Ausstattung der Weinflasche. Dazu kommt noch der Fasswein-Preis von 70 Cent bis zwei Euro. Dann fehlt noch Abfüllung, Transport, Vermarkutung und mehr. Zusätzlich möchten Winzer und Händler daran auch noch etwas verdienen.


Wenn also ein Wein 2,99 € kostet, wurde mit höchster Garantie an der Weinqualität und damit am Geschmack gespart. Logisch, oder?


Ein Biowein ist natürlich etwas teurer als ein Wein aus konventionellem Anbau. Da ich aber auf einem Bioweingut aufgewachsen ist Bio für mich normal und ich bin gerne bereit den Mehr-Wert auch zu bezahlen.


Faustregel: Kaufe immer Wein MINDESTENS aus der sechs bis zwölf Euro Preiskategorie.

Tipp 5: Qualitätswein kaufen

 

Es gibt verschiedene Qualitätsstufen beim Wein. Ich emfehle dir dringend, beim Supermarkt-Weinkauf zusätzlich darauf zu achten, dass der Wein ein Qualitätswein ist. Leider ist das keine Garantie dafür, dass der Wein dann auch wirklich ein guter Wein ist.

 

Es bedeutet aber, dass der Wein aus einem bestimmten deutschen Weinanbaugebiet kommt. Zusätzlich muss er minimalen Qualitätskriterien standhalten. Welche das sind, findest du in meinem Blogartikel zum Thema Guter Wein.

 

Faustregel: Kaufe deutschen QUALITÄTSWEIN um eine Mindest-Qualitätskontrolle vorraussetzen zu können.

Fazit zum Wein kaufen nach Etikett

 

Für das Wein kaufen nach Etikett gibt es ein paar einfache Regeln. Außer auf das Design schaust du ab jetzt mit neuem Blick auch auf den Inhalt des Etiketts. Damit landest du einigermaßen sicher im Bereich der genießbaren Weine:

  1. Deutsche Weinguts-Weine kaufen
  2. Rebsorten-Weine bevorzugen
  3. Geschmacksangaben (trocken, halbtrocken) beachten um deinen Geschmack zu treffen – ohne Angabe bedeutet in der Regel „mindestens halbtrocken“
  4. Preiskategorie mindestens 6 bis 12 Euro
  5. Deutschen Qualitätswein kaufen
  6. Kenne deinen Wein-Geschmackstyp. Das ist der BESTE Tipp, den ich dir geben kann!

 

Dies waren meine sechs besten Tipps, wie du unabhängig Wein nach Etikett kaufen kannst. Nicht vergessen: Das Thema Wein darf sich EINFACH anfühlen und SPASS machen! Und nun viel Spaß bei deinem ganz persönlichen Wein-Abenteuer.

Erweitere deinen Horziont und werde Wein-Revoluzzerin.

Denn nur du weißt, was dir wirklich schmeckt.

 

 

Was sind deine Kaufkriterien für Wein? Hast du Fragen zum Wein kaufen nach Etikett?

Ich helfe dir gerne weiter – schreibe mir einfach in den Kommentaren oder schicke mir eine Email.

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Brigitta T-W (Donnerstag, 02 Juni 2016 15:49)

    Hallo Elske, schade daß ich keine Weine mehr im Supermarkt kaufe, da ich ein spezielles Weingut bevorzuge. Mit deinen ausführlichen und anschaulichen Erklärungen hätte ich nun kein Problem im Supermarkt eine guten Wein zu finden.
    Weiter so.

  • #2

    Anneli (Freitag, 03 Juni 2016 10:01)

    Liebe Elske,
    vielen Dank für die Tipps, einiges habe ich bisher schon so gehalten, anderes ist neu und erhellend - jedenfalls freue ich mich immer, wenn ich von dir was lesen kann und nun fiel mir ein, dass ja noch der "Erdbeer"-Artikel ungelesen im PC schlummerte. Den habe ich dann sofort aufgerufen und mich ebenfalls daran erfreut. Frisch, munter, unterhaltsam und lehrreich ohne belehrend zu sein - Glückwunsch!!!
    Liebe Grüße Anneli

  • #3

    Elske Schönhals (Montag, 06 Juni 2016 15:06)

    Liebe Brigitta, Weine beim Winzer kaufen hat was für sich! Mehr dazu gibts hier:

    http://www.elskeschoenhals.de/2016/04/21/das-gute-liegt-so-nah-5-gr%C3%BCnde-deutsche-weine-zu-kaufen-und-zu-trinken/

  • #4

    Elske Schönhals (Montag, 06 Juni 2016 15:08)

    Liebe Anneli,
    danke für das Kompliment :) Ich hoffe dir hat der Erbeer-Geschmacksartikel gefallen.

    Für die Neugierigen... hier ist er:
    http://www.elskeschoenhals.de/2016/05/19/geschmack/

  • #5

    Winzer E. (Mittwoch, 08 Juni 2016 20:05)

    Ich kauf meinen Wein nicht selbst - ich MACH ihn selbst und den trink ich mit Begeisterung!
    Nur, wenn ich im Urlaub im Ausland meinen Wein kaufe, dann ist meist der Supermarkt dran. Nicht ganz einfach mit nur "deutsch". Aber in dem Fall ganz wichtig: wie hoch ist der Alkoholgehalt.
    Locker und leicht trinkbare Weine haben meist Alkoholgehalte zwischen 11,5 und 12,5 vol% Alk. Da sind meine Vorlieben!
    Zum 2,99 €-Preis im Newsletter: der billige Preis könnte auch auf Kosten der Winzer so niedrig ausfallen - wenn den "Fassweinerzeugern" das Wasser bis zum Hals steht und sie verkaufen MÜSSEN, damit das Konto nicht zu rot wird. Sie kennen die heillose Diskussion um die abartig niedrigen Milchpreise?: Gleiches Problem....

  • #6

    Elske Schönhals (Dienstag, 14 Juni 2016 10:07)

    Danke, Winzer E., der Alkoholgehalt ist auch ein super Indikator - der fehlt in meiner Liste. Das werde ich bei nächster Gelegenheit beachten.
    Zum Preis... ob Qualität oder Entlohnung: Es wird am falschen Ende gespart!