Qualitätsstufen beim Wein: Finde deinen Weg im Dschungel von Qualitätswein, Spätlese und Co.

qualiaetsstufen-beim-wein-welche-gibt-es

Du bist auf den Weg zu neuen Abenteuern und wieder einmal stehst du vor dem Weinregal: unendliche Weiten… du weißt, wovon ich spreche. Doch was ist dein Anhaltspunkt? Wein kaufen nach Etikett ist im Prinzip das Einzige, was du tun kannst. Qualitätswein, Spätlese, Auslese – all das hast du schon mal gehört. Sie alle gehören zu den Qualitätsstufen beim Wein. Aber wie war das doch gleich? Sagen die Qualitätsstufen überhaupt etwas aus, über den Wein?

Ich habe das Wichtigste über die Qualitätsstufen beim Wein für dich zusammengetragen, damit du dir einen Weg durch den Dschungel der Bezeichnungen bahnen kannst.

Kein Geld für Schrott: Was sind Qualitätsstufen eigentlich?

 

Qualitätsstufen entstehen dann, wenn Produkte komplexer und das Angebot größer wird. Es gibt unzählige Qualitätsstufen. Beispielsweise für Bier, Wein, Sekt, Honig, Olivenöl, Ahornsirup, Bohrer, Brillanten oder Gold. Es gibt sogar Qualitätsstufen für Beton!

Das alles sind Dinge, die käuflich zu erwerben sind. Das heißt: Produkte. Und ein Produkt hat seinen Preis, den wir zu zahlen bereit sind – oder auch nicht. Da wir kein Geld für Schrott ausgeben wollen haben wir das Bedürfnis, die Qualität in irgendeiner Art und Weise einordnen zu können. Jeder Hersteller möchte, dass sein Produkt einzigartig ist. Wenn der Markt größer wird und die Zahl der Anbieter wächst, wird der Ruf nach Vergleichbarkeit größer. Dadurch entsteht wie von selbst ein System zur Qualitätsbestimmung.

Qualitätsstufen sind also ein Hilfsmittel zur Einordnung der Qualität eines Produkts.

Welche Qualitätsstufen gibt es beim Wein?


Es gibt kein weltweit einheitliches System für die Qualitätsstufen beim Wein. Jedes Land regelt das über die eigenen Weingesetze, wobei einige Länder auch keine Regeln dafür haben. Beispiele dafür sind Australien und die Vereinigten Staaten.

Aber: wir sind hier in Deutschland. Und in Deutschland gibt es Regeln.

Gerade beim Wein!

Im Prinzip ist alles verboten, was nicht ausdrücklich im Weingesetz erlaubt ist.

Und dort sind die Qualiätsstufen beim Wein eindeutig geregelt. In Deutschland gibt es eine Art Qualitätspyramide, die aus drei Güteklassen besteht. Die Voraussetzungen für diese Qualitätsstufen sind im deutschen Weingesetz eindeutig beschrieben. Sie sind ziemlich trocken und technisch. Im Prinzip kannst du alle Details im Weingesetz nachlesen.

Nur: ich bin dazu da, das Dickicht zu lichten. Daher teile ich jetzt mal folgendermaßen ein: Weine mit Qualitätsstufen, die nicht durch die „Amtliche Qualitätsweinprüfung“ müssen und Weine mit Qualitätsstufen, die eine amtliche Prüfnummer brauchen.

Die Namen klingen malerisch: „Landwein, Qualitätswein, Spätlese, Auslese“. Intuitiv verbindet man mit diesen Begriffen ein Bild. Qualitätswein: ein Wein mit Qualität oder Auslese: ein ausgelesener Wein.

Das solltest du wissen:

 

Qualitätsstufen ohne Qualitätsweinprüfung: NICHT KAUFEN - mit einer Ausnahme

 

 Deutscher Wein ohne Herkunftsbezeichnung ist das, was früher Tafelwein heiß. Es gibt ein paar Minimal-Anforderungen. Unter anderem darf der Wein ausschließlich aus deutschen Trauben hergestellte werden. Allerdings muss keine Jahresangabe oder Gebietsangabe auf dem Weinetikett stehen.

Wein mit geschützter geografischer Angabe: Landwein. Er darf ausschließlich aus deutschen Trauben hergestellte werden. Außerdem gibt es ausgewiesene Landweingebiete, die NICHT den deutschen Weinanbaugebieten entsprechen. Landweingebiete sind beispielsweise „Landwein Rhein“ oder „Landwein Rhein-Neckar“.

Diese Weine sind meist in den untersten Supermarktregalen zu finden. Sie werden in der Regel in Literflaschen angeboten und sehr günstig. Davon würde ich die Finger lassen – mit einer wichtigen Ausnahme, die ich weiter unten beschreibe.

qualiaetsstufen-beim-wein-welche-gibt-es

Qualitätsstufen beim Wein die in der Qualitätsweinprüfung bestehen müssen: KAUFEN

 

Wein, der in der Qualitätsweinprüfung bestehen muss, ist „Wein mit geschützter Ursprungsbezeichnung“. Er heißt Qualitätswein und Prädikatswein.

Die Trauben für Qualitätswein müssen in einem bestimmten deutschen Weinanbaugebiet wachsen. Zwischen den Anbaugebieten darf nicht „gemischt“ werden – weder als Trauben noch als Wein (=Cuvée). Der Wein muss ein Jahrgangswein sein. Außerdem ist eine Untergrenze für den natürlichen Zuckergehalt der Trauben festgelegt.

Der Zeitpunkt der Traubenlese orientiert sich am Reifegrad der Trauben. Des weiteren gibt es eine Beschränkung der Erntemenge pro Hektar. Das hat mit dem Menge-Güte-Verhältnis zu tun. Je weniger Trauben, desto höher die Traubenqualität.

 

Während der Gärung setzten die Weinhefen Zucker zu Alkohol und Kohlensäure um. Bis zur Stufe Qualitätswein ist eine Anreicherung des Traubenmosts mit Rübenzucker erlaubt, um einen etwas höheren Alkoholgehalt im Wein zu bekommen.

Bei Prädikatsweinen ist das Anreichern nicht erlaubt. Folgende Qualitätsstufen versteht man unter Prädikatswein - ich zitiere aus dem deutschen Weingesetz:

„(...)
Kabinett Lese von reifen Trauben
Spätlese Lese von vollreifen Trauben
Auslese Lese von vollreifen Trauben, die durch Edelfäule konzentriert sein können
Beerenauslese Lese von vollreifen edelfaulen Trauben
Eiswein Lese von bei weniger als -7° C am Rebstock gefrorenen Trauben, die im gefrorenem Zustand gekeltert werden
Trockenbeerenauslese Lese von weitgehend rosinenartig eingeschrumpften edelfaulen Beeren
(...)“

Qualitätswein und Prädikatsweine müssen bei der „Amtliche Qualitätsweinprüfung“ vorgestellt werden und bekommen dort eine amtliche Prüfnummer. Die steht übrigens auch auf dem Weinetikett unter „A.P. Nummer“. Bei der Qualitätsweinprüfung werden die Weine nach verschiedenen Kriterien beurteilt. Beispielsweise: Weinfehler, typisches Rebsortenaroma oder typische Farbe.
Wie erkenne ich Qualitätsstufen beim Wein?

Die Qualitätsstufen beim Wein stehen in der Regel auf dem Weinetikett. Ausschließlich Qualitätswein und Prädikatswein dürfen eines der deutschen Weinanbaugebiete auf dem Etikett angeben. Insgesamt gibt es 13 deutsche Weinanbaugebiete: Rheinhessen, Pfalz, Mosel, Baden, Württemberg, Ahr, Mittelrhein, Sachsen, Saale-Unstrut, Franken, Rheingau, Hessische Bergstraße, Nahe.

Doch jetzt kommt das große „Aber“. Denn nicht alle Prädikatswein-Stufen stehen auch auf dem Etikett. Denn nicht alle Weingüter und Winzer lieben die Qualitätsstufen.

Die deutschen Prädikatswein-Qualitätsstufen: Nicht alle lieben sie

 

Im Idealfall orientieren sich die Qualitätsstufen auch wirklich an der Qualität des Produkts. Leider gibt es viele Qualitätsweine, die eine Prüfnummer bekommen und trotzdem keine guten Weine sind. Denn: Zuckergehalt, Erntemenge und Anbaugebiet sind schlichtweg keine Garantie für Weinqualität. Beziehungsweise dafür, dass der Wein auch schmeckt.

Zusätzlich empfinden viele Menschen die unterschiedlichen Bezeichnungen als kompliziert und verwirrend. Und das soll Wein einfach nicht sein. Er soll leicht sein und Spaß machen!

Daher verzichten viele Weingüter gerade auf die Qualitätsstufen beim Wein und verkaufen fast ausschließlich Qualitätswein.

 

Fertig.

 

Die besonderen Weine erkennt man am Etikett, am Preis und nicht zuletzt am Geschmack. Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) hat ein eigenes System erschaffen, an dem sich mehr und mehr Weingüter orientieren. Es besteht aus Gutswein, Ortswein und Lagenwein, wobei die Qualität aufsteigend ist. Gutswein muss dabei mindestens Qualitätswein sein.

 

 

Wunderbarer Wein auch ohne Qualitätsweinprüfung: die Ausnahme


Bei der Vergabe der amtlichen Prüfnummer für Qualitätswein und Prädikatswein wird der Wein auf verschiedene Mindestanforderungen geprüft. Unter anderem auf Klarheit, dass heißt es dürfen keine Schwebepartikel mehr im Wein sein. Ein naturtrüber Wein wird bei der Prüfung abgelehnt.

Ein weiterer Aspekt ist die Farbe. Ein Weißwein, der auf der Maische vergoren wurde und dadurch orangefarbene Reflexe hat, würde ebenfalls als untypisch abgelehnt.

Ein Wein, der nicht geschwefelt ist und dem dadurch das typische Rebsortenaroma fehlt, würde ebenfalls abgelehnt.

Dadurch haben Naturwein oder Orange Wein beispielsweise keine Chance auf eine Prüfnummer und demnach auf die Bezeichnung Qualitätswein oder sogar Prädikatswein.

Bis vor einigen Jahren wurden Weine, die im Barrique ausgebaut wurden, in der Qualitätsweinprüfung noch als fehlerhaft abgelehnt. Der Geschmack von Holz im Wein galt damals noch als Weinfehler. Daher durften die ersten Barriqueweine in Deutschland nur als Landwein verkauft werden.

 

Es gibt aber eine einfache Regel, an der du solche besonderen Weine erkennst obwohl sie nicht die Qualitätswein-Bezeichnung haben:

Nämlich am Preis.

Ein einfacher Landwein würde wahrscheinlich maximal drei bis vier Euro kosten. Bei einem Landwein, der deutlich über 10 Euro kostet, lohnt es sich nachzufragen. Am besten beim Winzer deines Vertrauens – wie du weißt setze ich voll auf deutsche Weine.

Fazit zu den Qualitätsstufen beim Wein

 

Sagen also Qualitätsstufen beim Wein etwas aus? Ja und nein.

Qualitätsstufen beim Wein sind ein Hilfsmittel. Sie ermöglichen dir, eine Vorauswahl zu treffen um dich im Dschungel der Weine zurechtzufinden.

Als Faustregel gebe ich dir nun mit auf den Weg:

  • Nicht nur Spätlese, Auslese oder Eiswein sind qualitativ hochwertige Weine. Viele Weingüter verzichten inzwischen auf die traditionellen Prädikatswein-Bezeichnungen und setzten auf ihr eigenes System.
  • Kaufe mindestens Qualitätswein. Du erkennst ihn am Weinanbaugebiet, dass auf dem Etikett angegeben ist oder im Zweifel an der amtlichen Prüfnummer (A.P. Nr.), die ebenfalls auf dem Etikett steht.

Wenn du über den Tellerrand schauen möchtest und der Wein kein Qualitätswein ist, dann sollte der Wein deutlich über zehn Euro kosten. Außerdem lohnt es sich dann, beim Winzer nachzufragen, was das für ein besonderer Wein ist.

Wie findest du meine Anleitung?
Habe ich etwas Licht ins Dunkel bringen können?
Wenn du weitere Fragen hast, dann schreib mir jetzt in den Kommentaren.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0