Perlwein ist prickelnde Lebensfreude - Wein mit Kohlensäure muss nicht immer Sekt sein

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Wenn im Frühling die Sonne strahlt und wärmt, bekomme ich Lust auf Leben, Lust auf Abenteuer, Lust die Welt zu entdecken. Innerlich hält mich nichts mehr. Ich schmiede Reisepläne, will meine Freiheit spüren und meiner Entdeckerfreude nachgehen. Das ist die Zeit in der alles in mir prickelt und dann darf das auch der Wein, den ich trinke tun. Ein Glas Perlwein, also ein Wein mit Kohlensäure - auch als Secco bekannt - ist dann genau das, worauf ich in dieser Stimmung Lust habe.

Was ist Perlwein?

 

Perlwein ist ein Wein, der mit Kohlensäure versetzt ist. Ein Wein, der „perlt“. Mit Perlen sind hierbei die kleinen Bläschen gemeint, die im Glas aufsteigen.

 

Die meisten Perlweine werden zum aus Weißwein oder Rosé, beziehungsweise Roséwein hergestellt. Die Säure und die frischen Fruchtaromen gepaart mit etwas Restsüße und der Kohlensäure sind frisch und fröhlich für den Gaumen. Und das Gemüt. Bestimmt kennst du Prosecco Frizzante, den wahrscheinlich prominentesten Vertreter von Perlwein. Durch den Prosecco hat sich in Deutschland auch das Wort Secco für Perlwein etabliert. Klingt in meinen Ohren etwas schicker, was aber total Geschmacks-Sache ist - und der ist bekanntlich sehr individuell.

 

Es gibt auch Perlwein, der aus roten Trauben hergestellt wird. Durch die Kohlensäure kommen Phenole, Tannine und Gerbstoffe, die einen wesentlichen Bestandteil von Rotwein, stärker zum Vorschein. Die Kunst hierbei ist, das ein roter Perlwein schnell zu „herb“ schmeckt. Der wohl bekannteste Vertreter für roten Perlwein ist Lambrusco. Auf ihn gehe ich später in diesem Artikel etwas näher ein.

 

Bei den Weinen, die Kohlensäure enthalten, unterscheidet man zwischen Perlwein und Schaumwein. Zu den Schaumweinen gehört beispielsweise auch Sekt.

 

Ein Perlwein ist von der Schaumweinsteuer befreit und hat im Vergleich zum Schaumwein einen geringeren Überdruck in der Flasche. Der Druck entsteht durch die Kohlensäure, die im Wein gelöst ist. Diese will in den gasförmigen Zustand übergehen, was durch die Flasche verhindert wird. Sobald der Perlwein im Glas ist, entbindet sich die Kohlensäure und der Wein perlt beziehungsweise prickelt.

Perlwein Herstellung: Wie kommt die Kohlensäure in den Wein?

 

Die Kohlensäure kann auf verschiedene Arten in den Wein kommen. Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. sie wird dem Wein nachträglich zugesetzt

  2. die Kohlensäure, die bei der Gärung entsteht, wird direkt im Wein gelöst

Welche der beiden Optionen angewendet wird, ist unter anderem abhängig von den technischen Möglichkeiten im Weingut.

 

Perlwein: Wein mit Kohlensäure versetzen

 Die Herstellung eines Perlweins, bei dem einem Wein Kohlensäure zugesetzt wird, ist technisch relativ einfach zu erklären. Wenn ich hier von Kohlensäure spreche, dann meine ich eigentlich CO2, denn bei Raumtemperatur geht Kohlensäure in gasförmigen Zustand über. Ein Effekt, der höchst erfreulich ist, denn nur so kommt das Blubbern in den Wein!

Kohlensäure ist nur bei sehr niedrigen Temperaturen und unter hohem Druck flüssig. Um Kohlensäure in einer Flüssigkeit in Lösung zu bringen braucht man also Kälte und Gegendruck.

Zur Herstellung von Perlwein wird der Wein auf etwa 5 Grad heruntergekühlt. Dann wird dem Wein in einem Drucktank langsam Kohlensäure zugesetzt. Das geschieht über einen längeren Zeitraum, damit sich die Kohlensäure mit dem Wein verbinden kann. Diese Methode kann ein Weingut anwenden, wenn es selbst nicht über die technischen Möglichkeiten verfügt.

 

Perlwein: Die Kohlensäure aus der Gärung nutzen

Eine weitere Methode zur Herstellung von Perlwein ist technisch etwas aufwendiger. Hierbei wird die Kohlensäure aus der Gärung direkt eingesetzt.

Zur Erklärung: Bei der alkoholischen Gärung setzen die Hefen Zucker zu Alkohol und Kohlensäure um. Es gibt noch andere Arten von Gärung, hier geht es aber jetzt ausschließlich um die alkoholische Gärung. Der Most wird hierbei in einem Drucktank vergoren. Die dabei entstehende Kohlensäure kann dadurch nicht, beziehungsweise nur teilweise, aus dem Tank entweichen. Dadurch baut sich Druck auf und die Kohlensäure geht im Wein in Lösung.

Diese Methode erfordert den Einsatz von Drucktanks im Weinkeller. Material worüber viele kleinere Weingüter nicht verfügen. Welche der beiden Methoden zum Einsatz kam, ist am Etikett allerdings nicht zu erkennen.

 

Abfüllung unter Gegendruck

Damit der entstandene Überdruck auch im Perlwein bestehen bleibt, wird der fertige Wein aus dem Drucktank wird unter Gegendruck abgefüllt. Im Anschluss wird er mit einem Kronenkorken, einem drucksicheren Drehverschluss oder einem Korken verschlossen.

 

Warum kein Sektkorken? Gute Frage - dazu komme ich jetzt!

Der Unterschied zwischen Perlwein und Schaumwein

 

Es gibt einen recht einfachen Unterschied zwischen Perlwein und Schaumwein. Und zwar orientiert sich dieser Unterschied am Druck in der Flasche. Perlwein darf beziehungsweise muss bei zwanzig Grad Celsius einen Überdruck von 1 bis 2,5 bar haben. Schaumwein mindestens einen Überdruck von 3 bar.

 

Perlwein darf optisch keine Ähnlichkeit mit Schaumwein haben. Der „Sektkorken“ ist vollkommen den Schaumweinen vorbehalten. Sobald ein Sektkorken und ein Bügelverschluss eingesetzt werden, wird der Perlwein als Schaumwein besteuert - selbst wenn er nicht so heißen darf. Das ist für den Hersteller ziemlich schmerzhaft, denn die Sektsteuer beträgt etwas einen Euro pro Flasche.

 

Der Bügelverschluss auf dem Sektkorken wird übrigens Agraffe genannt. Weil ich es selbst so ein schönes Wort finde, will ich dich nicht im Unklaren lassen! Du kannst das entweder französisch oder deutsch aussprechen, das ist total egal. Klingt irgendwie nach Giraffe und Affe, findest du nicht?

 

OK, zurück zum Thema!

 

Zusammenfassend zum Unterschied zwischen Perlwein und Schaumwein: Der maximal erlaubte Druck ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal.

 

Der wichtigste Unterschied zwischen Perlwein und Sekt

Sekt gehört in die Kategorie Schaumwein. Zusätzlich muss deutscher Sekt immer aus Weingutsweinen hergestellt werden. Es ist vorgeschrieben, dass die Kohlensäure aus einer zweiten Gärung stammen muss. Das heißt, der Grundwein, der ja schon einmal vergoren ist, wird zu einer zweiten Gärung gebracht, die entweder im Drucktank oder in der Flasche stattfindet. Dafür wird dem Sektgrundwein Hefe, Zucker und etwas Hefe-Nährstoff zugesetzt. Der fertige Sekt wird mit einem Sektkorken und einer Agraffe, dem Bügelverschluss, verschlossen.

 

Im Gegensatz dazu darf Perlwein - wie bereits erwähnt - nicht mit einem Sektkorken verschlossen werden. Und woher die Kohlensäure bei der Perlwein Herstellung stammt, ist im Prinzip egal.

 

Perlwein wurde lange als der „kleine Bruder“ des Sekts gehandelt. Aber ich finde, er ist viel mehr als das. Er ist eine weitere spannende Facette der vielfältigen Weinwelt.

Ist Perlwein gleich Prosecco?

Warte mal… Elske, du hast gesagt, dass Perlwein auch Secco genannt wird… Meinst du vielleicht PROsecco?

 

Ja.. .und… nein.

 

Prosecco gibt es in drei Ausführungen. Es kann damit sowohl ein Stillwein, ein Perlwein, sowie ein Schaumwein gemeint sein. Prosecco ist nämlich eine geschützte Ursprungsbezeichnung für ein Gebiet in Italien. Er muss aus der Rebsorte Glera hergestellt worden sein.

 

Der Druck bestimmt hier, als was er klassifiziert ist. Ohne ist klar: Stillwein. Damit ist Wein ohne Kohlensäure gemeint, etwa wie bei „stillem Wasser“. Falls du schon voller Freude an deine gute Freundin gedacht hast, die gerade durch Stillen Wein-mäßig aus dem Rennen ist, muss ich dich leider enttäuschen.

 

Prosecco „Frizzante“ ist ein Perlwein. Frizzante heißt knackig auf Italienisch. Klingt, meiner Meinung nach, etwas rassiger als das deutsche Perlende oder das französisch Prickelnde. Der Prosecco Frizzante hat den Perlwein beziehungsweise Secco in Deutschland wieder bekannt gemacht. Daher ist er auch so allgegenwärtig.

 

Prosecco „Spumante“ ist ein Schaumwein. Es ging mir schon oft so, dass ich mich dann doch nicht mehr erinnern konnte, welcher der beiden der Perlwein ist. Deshalb verrate ich dir meine Eselsbrücke: S - Spumante → S - Schaumwein.

 

Und natürlich kannst du nach dem Sektkorken mit Agraffe Ausschau halten. Denn ein Sektkorken mit Agraffe bedeutet: Schaumwein.

 

 

Roter Perlwein: Lambrusco

 

Der prominenteste Vertreter der perlenden Rotweine heißt Lambrusco. Lambrusco wird in der Gärung unterbrochen und kalt gelagert. Wenn der Lambrusco abgefüllt werden soll, wird dem halb vergorenen Most Weinhefe zugesetzt, damit er im Drucktank zu Ende gären kann und sich dabei die Kohlensäure im Wein löst.

 

So werden zumindest die qualitativ hochwertigen Lambruscos hergestellt. Leider hat er einen schlechten Ruf als „Kopfschmerz-Wein“, weil lange Zeit sehr viele zu süße, schlecht gemachte und billige Lambruscos in den Supermärkten gab.

Wenn man aber mit einem qualitativ hochwertigen Lambrusco zu tun hat, dann kann das eine große Freude sein. Zumindest habe ich mir das sagen lassen, denn diese Welt gibt es für mich noch zu entdecken - gemeinsam mit dem Rezept aus Wein & Gemüse das ich mir für diesen Sommer vorgenommen habe!

Welches Glas für Perlwein

 

Für Perlwein kannst du entweder ein Sektglas nehmen. Gute Sektgläser haben zwei angeschliffene Moussierpunkte, an denen sich die Kohlensäure entbinden und dann wunderschön nach oben „perlen“ kann. Das sieht einfach schön aus.

Ich selbst trinke Secco allerdings sehr gerne aus einem normalen Weinglas. Ein Weißweinglas ist dafür besser geeignet als ein Rotweinglas, denn es hat eine nicht ganz so große Oberfläche. Das finde ich am passendsten und passt für mich auch eher zum Stil eines Seccos.

 

Probiere einfach mal aus!

 

 

Haltbarkeit von Perlwein

 

Ich bin schon häufig zur Haltbarkeit von Perlwein gefragt worden. Zu feierlichen Anlässen bekommt der ein oder andere ja schon mal einen geschenkt. Und dann… fehlt der nächste feierliche Anlass, um ihn zu öffnen. Die Flasche setzt schon so langsam Staub an… Ich sage dir etwas, das du sowieso schon weißt: Nur zum Herumliegen ist Wein zu schade, denn seine Bestimmung ist es, getrunken zu werden.

 

Secco beziehungsweise Perlwein sollte jung und frisch schmecken. Gib ihm maximal ein Jahr, bis du ihn trinkst. Nicht länger.

 

Was ist, wenn es keine feierliche Gelegenheit gibt?

 

Mach die Flasche auf und trinke ihn! Einfach so. Erkläre das Abendessen zum feierlichen Anlass. Oder trinke ein Glas am Abend auf der Couch. Nimm die Flasche mit zu Freunden und macht ihn gemeinsam auf. Einfach nur zusammen sein ist doch der beste Anlass dazu, einen Wein aufzumachen.

 

 

Perlwein „on the rocks“?

 

Hast du das schon mal in der Getränkekarte gesehen: Perlwein/Secco „on the rocks“? Also Secco mit Eiswürfeln? Ich schon öfter. Und bestellt habe ich ihn natürlich gleich beim ersten Mal. Aber: nur einmal…

Es sah toll aus und der Secco war richtig schön kalt. Dafür schmeckte er aber auch ziemlich lahm. Die erhoffte Erfrischung blieb für mich aus, denn durch die Eiswürfel entbindet sich die Kohlensäure ziemlich stark.

 

Dann doch lieber Secco-Schorle: Secco mit Sprudelwasser. Das ist wirklich erfrischend an einem heißen Sommerabend!

 

 

Fazit zu Perlwein

 

Perlwein ist ein Wein mit Kohlensäure. Er hat einen Überdruck von 1 bis 2,5 bar und ist auch unter dem Namen Secco bekannt.

 

Secco ist viel mehr als nur der kleine Bruder vom Sekt. Er ist eine prickelnde Weinvariante in der großen, facettenreichen Weinwelt. Bekannte Vertreter sind Prosecco Frizzante und Lambrusco. Gerade für die ersten schönen Frühlingstage passt er perfekt zu meiner Stimmung.

 

Und zu welchen Gelegenheiten trinkst du am liebsten Perlwein?
Teile sie mit uns in den Kommentaren!

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Kommentare: 2
  • #1

    Annetje (Mittwoch, 21 März 2018 11:48)

    Hallo Elske, ich freue mich auf den Sommer und auf einen frischen, nicht zu süssen Secco
    Zum Wohl!
    Annetje

  • #2

    Elske Schönhals (Freitag, 23 März 2018)

    Hallo Annetje, das klingt lecker und nach einem super Plan!
    Liebe Grüße und viel Freude beim Entdecken, Elske