Mischen? Possible! Was ist ein Weinverschnitt oder eine Cuvée?

Weinverschnitt Cuvée
JeffersonLiu/Pixabay

Stell dir vor du hast Konzertkarten geschenkt bekommen! Was Klassisches.. dafür hast du dich extra schick angezogen. Der Konzertsaal brummt vom Reden der vielen Menschen. Jetzt wird es dunkel und die Musiker im Orchestergraben ziehen alle Blicke auf sich. Die Gespräche verklingen. Es ist vereinzelt noch Rascheln und das ein oder andere Räuspern zu hören.

Gespannt schaust du auf die Musiker. Dann geht es los! Alle Musiker beginnen gleichzeitig und mit voller Lautstärke zu spielen. Ächz!!! Der Lärm ist ohrenbetäubend. Hilfe! Was ist denn da los???

Ein Mann im Anzug kommt gerannt und winkt wild mit einem Stock. Es wird leiser. Nach und nach verstummen die Instrumente. Aha… der Dirigent!

Das Orchester schaut auf ihn. Er tickt dreimal auf sein Pult, hebt den Stab… und das Stück beginnt. Wie die ersten Sonnenstrahlen des Morgens, die im Bergbach glitzern ertönen die ersten Klänge. Nach und nach setzen weitere Instrumente ein. Wie eine wunderschöne Blume öffnet sich die Musik für dich. Sie folgt dem Flusslauf, nimmt Fahrt auf und wird wieder langsamer. Jeder Musiker erkennt genau seinen Einsatz und du folgst dem Stück gebannt bis zum Ende.

Die letzten Töne verklingen. Und jetzt: wieder ohrenbetäubender Lärm. Doch diesmal ist es der Applaus.

Was ist eine Cuvée oder ein Weinverschnitt?

 

Die oder das Cuvée besteht aus verschiedenen Grundweinen. Die Grundweine werden zu einem Wein kombiniert und abgefüllt.

Im deutschen Winzeralltag spricht man beim Kombinieren von Weinen auch von verschneiden. Verschneiden klingt allerdings etwas verwirrend bei einem flüssigen Medium und ist auch leider umgangssprachlich nicht sehr positiv belegt. Ein „Verschnitt“ wird schnell assoziiert mit Qualitätsminderung – mit Resten, die man sonst nicht mehr verwenden kann. „Gestrecktes Zeug“ habe ich schon als erste Assoziation zum Wort Weinverschnitt gehört :)

Auf Winzerisch ist im Wort allerdings keine Wertung enthalten. Es ist ein technischer Begriff – auch wenn er nicht so besonders schick klingt. Daher wird im Allgemeinen auch eher von einer Cuvée gesprochen.

Das Wort Cuvée kommt aus dem Französischen. Es leitet sich von cuve, dem Wort für „Fass“, ab. Ganz praktisch geht das Verschneiden nämlich so: Menge x von Wein 1 wird in einem großen Fass (= cuve) vorgelegt. Dann wird Menge y von Wein 2 dazugelegt. Fertig ist die Cuvée bzw. der Verschnitt!

Synonym zu Cuvée und Verschnitt wird auch das französische Wort Assemblage, die „Zusammenstellung“ und das englische Wort Blend, von „mischen, verschneiden“ verwendet.

Die Cuvée: Die hohe Kunst oder alles nur gepanscht?

 

Eine Cuvée ist wie ein wohl-komponiertes Stück, von exzellenten Musikern gespielt und von einem Dirigenten interpretiert. Du kannst dir die einzelnen Weine wie Musiker vorstellen. Die Kellermeister sind Komponisten und gleichzeitig Dirigenten. Sie schreiben das Werk und stellen das Orchester zusammen. Ihre Erfahrung dirigiert das geschmackliche Zusammenspiel der Weine.

Du kannst dir vorstellen, dass die Exzellenz der individuellen Musiker einen starken Einfluss auf das Zusammenspiel und den Klang hat. Das gleiche gilt für die Weinqualität. Die Grundweine im Verschnitt müssen qualitativ hochwertig sein und harmonieren.

Klar, dass du ein Szenario wie oben beschrieben unwahrscheinlich erleben wirst. Es ist ein Bild dafür, wie unterschiedlich Cuvées sein können. Ich werde ziemlich häufig gefragt, ob da „einfach nur Wein zusammen geschüttet“ wird. In diesem Fall würde der Wein so schmecken, wie wenn alle Musiker gleichzeitig und in voller Lautstärke ihren Part spielen. Solche Weine gibt es AUCH.

Doch die hohe Kunst bei der Cuvée ist es, ein Stück zu komponieren, das dich deinem Geschmackserlebnis gebannt folgen lässt.

Es ist die Kunst, das Potential der Grundweine und die Art und Weise, wie sie einander perfekt ergänzen können, zu erkennen. Eine beliebte Rebsorten-Kombinationen für Cuvées in Deutschland sind beispielweise der unkomplizierte Müller-Thurgau mit dem spritzigen Riesling. Eine beliebte Rebsortencuvée ist auch der kräftige Dornfelder mit dem feineren, fruchtigen Portugieser.

Oftmals sind auch eher unbekannte, aber geschmacklich total spannende, pilzwiderstandsfähige Rebsorten in einer Cuvée „verpackt“ - wie beispielsweise in den Weinen meiner Schwester Hanneke.

Der Kreativität der Kellermeister sind in Deutschland wenig Grenzen gesetzt. Darauf gehe ich weiter unten noch etwas detaillierter ein.

Cuvée aus Weinen derselben Rebsorte

 

Es gibt viele Cuvées, die als solche nicht zu erkennen sind, nämlich Cuvées aus den Weinen derselben Rebsorte.

Der Geschmack eines Weines wird vor allem von der Rebsorte, aber auch von Faktoren wie Boden, Klima und Traubenverarbeitung geprägt. Wenn ein und derselbe Winzer also aus Riesling-Trauben, die in unterschiedlichen Weinbergen gewachsen sind, auf die gleiche Art und Weise Wein herstellt, wird man auf jeden Fall zwei etwas unterschiedliche Weine bekommen.

Es gibt natürlich auch Weinberge oder Weinbergslagen, deren Weine so einzigartig sind, dass sie separat ausgebaut und verkauft werden.

Die Weine aus den einzelnen Weinbergen werden aber in der Regel nicht separat verkauft, sondern verschnitten. Ein Weinberg bringt vielleicht etwas mehr Mineralität (bald mehr dazu) mit ins Spiel, während der Wein aus dem anderen Weinberg vielleicht eine feinere Säure hat. Dadurch können Weine einen Facettenreichtum bekommen, den sie sonst nicht hätten.

Es gibt natürlich auch Weinberge oder Weinbergslagen, deren Weine so einzigartig sind, dass sie separat ausgebaut und verkauft werden.

Ein weiteres Beispiel: Wenn derselbe Wein in den gleichen Barriquefässern ausgebaut wird, kann man zwischen den Fässern trotzdem unterschiedliche Nuancen schmecken.

Und was macht man dann? Genau... Verschneiden! Der Wein wird nicht nur „gemischt“, sondern auf optimale Art und Weise verschnitten… um mit meinem Bild vom Anfang zu sprechen: Der Wein wird auch hier komponiert.

Verschnitt von Weißwein und Rotwein

 

Rotwein und Weißwein dürfen in der Herstellung nichts miteinander zu tun haben. Das Motto ist: Entweder – Oder!

Es ist ungefähr so, wie wenn man Ärzte ODER Tote Hosen Fan ist… Fastnacht oder Karneval… Dortmund oder Schalke… you name it!

Bei Sekt gibt es da ein paar Sonderregeln, aber da werde ich in einem eigenen Artikel drauf eingehen.

Roséweine sind übrigens Weine, die aus roten Trauben hergestellt werden. Bei roten Trauben sind nur die Schalen rot, das Fruchtfleisch aber ist weiß. Die Trauben werden schonend gepresst und wie Weißwein behandelt. Durch die minimalen Verletzungen der Beerenhäute kommt die Roséfarbe in den Wein.

Werden auch Trauben „verschnitten“?

 

Es gibt einen Ausnahmefall, in dem rote und weiße Trauben verschnitten werden dürfen. Der Wein ist ein Klassiker, der in Vergessenheit geraten ist. Es ist ein roséfarbener Wein und er heißt – je nach Region – Rotling, Schillerwein (im Anbaugebiet Württemberg) oder Schieler (im Anbaugebiet Sachsen).

Auch wenn Trauben derselben Rebsorte kombiniert werden, könnte man – streng genommen – in manchen Fällen von einem Verschnitt sprechen.
In Deutschland werden seit den 50er Jahren alle Reben veredelt. Das bedeutet, dass das edle Holz der europäischen Kulturreben – wie beispielsweise Riesling, Müller-Thurgau, Spätburgunder und Co. - auf Reblaus-tolerante Unterlagsreben gepfropft wird.

In der Pflanzenzüchtung spricht man hierbei von vegetativer Vermehrung. Die Edelreiser, also der Teil der veredelten Rebe, der dann die Trauben bringt, ist genetisch absolut identisch mit vielen weiteren Reben. Die Reben sind demnach Klone voneinander. Das hat jetzt nichts mit Star Wars oder Gentechnik zu tun, sondern ist klassische Rebenzüchtung.

Die Rebklone unterscheiden sich nicht nur in ihren Anbaueigenschaften, sondern auch in Geschmacksnuancen. Die Trauben verschiedener Rebklone dürfen gemeinsam verarbeitet werden, da es sich dabei um dieselbe Rebsorte handelt.

Woher weiß ich, was in so einem Wein drin ist?

 

Es gibt in Europa ein Nord-Süd-Gefälle: Je südlicher, desto mehr Cuvées. In Deutschland sind die Weingüter in Deutschland recht frei in der Gestaltung ihrer Weine – es dürfen nur keine Weiß- und Rotweine miteinander verschnitten werden.

Cuvées in anderen Ländern

In Frankreich bestimmen hingegen die Appellationen die Rebsorten in den Cuvées. Ein typischer Bordeaux-Rotwein besteht beispielsweise aus den Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc. In Spanien wird der Rioja zu mehr als fünfzig Prozent aus der roten Rebsorte Tempranillo hergestellt, der mit weiteren vorgegebenen Rebsorten verschnitten wird.

Und in Deutschland?

In Deutschland darf ein Rebsortenwein mit bis zu 15% Wein einer anderen Rebsorte verschnitten werden, solange es den Charakter dieser Rebsorte nicht zusehr verändert. Ein Chardonnay darf also mit etwas Weißburgunder verschnitten werden – solange er dann noch „Rebsorten-typisch“ schmeckt und der Gesamtteil des Chardonnays bei mindestens 85% liegt. Das gilt dann offiziell noch als Rebsortenwein. Wenn der Anteil des zweiten Weines höher als 15% ist, dann gilt es als Verschnitt.

Bei einer Cuvée aus nur zwei Rebsorten können beide Sorten gleichberechtigt auf dem Etikett genannt werden. Sind drei oder mehr Rebsorten enthalten, dürfen sie nicht mehr auf dem Etikett stehen. Dafür stehen die Angaben oft auf dem Rückenetikett. Praktisch!

Wenn es nicht drauf steht: einfach Nachfragen! Und falls du irgendeine Rebsorte noch nie gehört hast und sie vielleicht sofort vergisst… nochmal nachfragen :)

Und hab keine Scheu: wenn du bis zu Hause schon WIEDER vergessen hast, wie die Rebsorte heißt: NOCHMAL nachfragen… das ist ECHT keine Schande. Wenn man etwas noch nie gehört hat, ist es schwierig, es sich zu merken. Menschen können sich auch oft einen Namen auf Anhieb nicht merken, selbst wenn die Person direkt vor ihnen steht.

Wie viel schwerer ist es denn dann, sich einen (Rebsorten-) Namen zu merken, mit dem man noch kein Erlebnis verbindet!

Fazit

 

Eine Cuvée ist nicht nur eine beliebige Mischung von Weinen. Es ist ein Gesamtwerk aus hochwertigem Wein, der mit Fingerspitzengefühl komponiert wird.

  • Rebsortenweine sind oft Cuvées aus derselben Rebsorte und als solche nicht erkennbar. Weine aus verschiedenen Weinbergen werden dabei für einen optimalen Wein verschnitten.
  • Weißweine und Rotweine dürfen nicht verschnitten werden. Eine Ausnahme bieten rote und weiße Trauben, die gemeinsam verarbeitet werden dürfen um Rotling zu produzieren.
  • In anderen Ländern schreibt das Weingesetz oft die Kombination von Rebsorten in einer Cuvée vor.
    In Deutschland darf einem Rebsortenwein bis zu 15% einer anderen Rebsorte ohne Deklaration zugesetzt werden. Wenn der Anteil über 15% liegt, gilt der Wein als Cuvée.
  • Wenn du nicht erkennen kannst, welche Rebsorten im Wein enthalten sind: Nachfragen! Und zwar ohne Scheu… Am besten beim Weingut deines Vertrauens :)

Ich finde persönlich finde es total hilfreich zu wissen, welche Rebsorten in einer Cuvée enthalten sind. Damit hat man schon mal eine grundsätzliche Idee, in welche geschmackliche Richtung der Wein geht.

In wie weit ein Wein zu DEINEM ganz persönlichen Weingeschmack passt, verrät dir dein Geschmackstyp… Und den kannst du jetzt bald ganz selbstständig entdecken!

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Kommentare: 4
  • #1

    Gitta W. (Donnerstag, 27 April 2017 13:28)

    Liebe Elske, bei einem Cuvee hatte ich bisher den Eindruck es könnte ein minderwertiger Wein sein. Doch ich trank einen Cuvee deiner Schwester, dieser schmeckte hervorragend, sogar für mich besser als einer seiner Grundweine, den ich bisher bevorzugte. Fazit für mich: Cuvee aus guten Weinen kann sehr überraschend sein im Geschmack. Ich lernte wieder einiges dazu.
    Glückwunsch.

  • #2

    Elske Schönhals (Donnerstag, 27 April 2017 19:24)

    Liebe Gitta, das freut mich sehr und danke für das Kompliment.
    Viele Grüße, Elske

  • #3

    Annetje (Samstag, 29 April 2017 21:15)

    Kompliment, Elske, wiederum ein gut komponierter und aufschlussreicher Artikel. Wofür Dank!

  • #4

    Elske Schönhals (Mittwoch, 03 Mai 2017 12:21)

    Liebe Annetje, ich freue mich immer, wenn ich etwas weitergeben konnte! Viele Grüße, Elske