Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Wein!

Schokolade im Wein
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„Dieser Wein besticht durch seine feinen Beeren- und Röstaromen. Ein Tupfer Schokolade und sanfte Vanille im Abgang runden seinen Geschmack ab“… aha? Du stehst vor dem Weinregal und liest dir die Weinbeschreibungen durch – glücklicherweise sind da überhaupt welche... Dadurch bekommst du eine leise Ahnung, wie der Wein schmecken könnte. Das ist schon mal gut! Aber es regt sich auch ein wenig Unmut in dir: Ich will doch keine Schokolade, ich will lieber einen WEIN!
 
Fragst du dich manchmal, wo dieses Stückchen Schokolade im Wein genau versteckt ist? Und woher die Aromen kommen, die man nicht in Trauben vermuten würde?

Kommen Weinbeschreibungen nicht ohne „Schokolade“ aus?

 

Wahrscheinlich ist dir schon aufgefallen, dass Wein in der Regel nicht mit „Wein“ beschrieben wird. Die verschiedensten Früchte, Gewürze und Lebensmittel müssen dafür herhalten :)


Grund dafür ist, dass die Aromen, die in den Trauben und im Wein vorkommen, genau so auch in anderen Stoffen vorkommen. Sie sind sozusagen Universal-Bausteine für Aroma. Etwas detaillierter kannst du hier darüber lesen.

Welcher Wein schmeckt eigentlich nach Schokolade?

 

Mit Schokoladen-Attributen wird oft Rotwein beschrieben, der im Barrique ausgebaut wurde. Das bedeutet, dass der Wein für eine Zeit in einem kleinen Eichenholzfass reift. In dieser Zeit entwickeln sich die Weinfarbe und auch die Gerbstoffe. Die Farb- und Gerbstoffmoleküle bilden Komplexe, durch die sie stabiler werden. Dadurch schmecken sie beispielsweise weniger „trocken“ auf der Zunge. Zusätzlich nimmt der Wein Aromen aus dem Holz auf.

Die Aromen aus dem Eichenholz sind Röstaromen, die bei der Herstellung der Fässer im Holz entstehen. Um dem Fassholz die erwünschte Form zu geben, wird es in der Herstellung durch Wasser und Feuer biegsam gemacht. Das Fassholz wird dabei „getoastet“. Die gleichen Aromen wie bei der Toastung entstehen auch beim Rösten der Kakaobohnen in der Schokoladenherstellung.

Muss ich die Schokolade im Wein erkennen?

 

Klare Frage, klare Antwort: Nein :)

 

Weinbeschreibungen sind ein super Hilfsmittel, um dir zu zeigen, in welche Richtung der Geschmack des Weines geht. Es macht Spaß, den Geschmackseindruck zu ergründen. Aber es ist nicht notwendig, jede Beschreibung vollständig nachvollziehen zu können.

Wenn du noch nicht so viel Übung im Wein verkosten hast, dann sieh die Weinbeschreibungen als eine Hilfestellung. Oft beeinflussen sie allerdings auch die Sinneswahrnehmungen und lenken ab von dem, was man selbst schmeckt.

Der Geschmack zählt – nicht die fantasievollen Beschreibungen

 

… und Geschmack kannst du erkennen!

Versuche beim nächsten Wein, den du trinkst, deine eigenen Eindrücke in Worte zu fassen, bevor du die Weinbeschreibung zur Hand nimmst (falls es überhaupt eine gibt).

So könntest du vorgehen:

1. Selbstwahrnehmung

 

Du schenkst dir ein und schnupperst am Glas. Ok, es riecht nach Wein. Und nach was riecht es noch? Oft wirst du Fruchtaromen wahrnehmen. Bei Rotweinen sind das eher rote Früchte, bei Weißwein eher gelbe Früchte.

 

Schwenke dein Glas. Gibt es noch mehr? Honig, Zimt, Vanille… vielleicht Schokolade? ;)

Feld-Wald-und-Wiesen-Sinneseindrücke reichen erst mal! Du brauchst keine Goji-Beeren oder anderes Exotisches zu erkennen. Das, was uns bekannt ist, können wir oft am besten erkennen. Es ist in unserem Gehirn gut verknüpft. Und selbst das fällt einem nicht immer sofort ein.
Mir selbst geht es immer wieder so, dass ich genau weiß: Dieses Aroma kenne ich! Und dann komme ich einfach erst mal nicht drauf. Vor kurzem waren es Holunderblüten… Mitten im Winter waren sie mir einfach nicht so präsent. Aber nachdem ich es erkannt hatte, war es völlig klar.

Vielleicht hilft es dir, deine Eindrücke aufzuschreiben – dadurch musst du die „tänzelnde“ Wahrnehmung konkretisieren und es wird dir klarer, was du genau schmeckst.

2. Inspiration und Vergleich

 

Lies dir erst im zweiten Schritt die Weinbeschreibung durch. Wahrscheinlich hast du sie beim Weinkauf schon mal gelesen. Vielleicht ist der Wein auf dem Rückenetikett kurz beschrieben. Viele Winzer beschreiben ihre Weine auf der Website oder im Online-Shop.

 

Wenn du Lust hast, etwas tiefer einzusteigen, dann kannst du beim Weingut deines Vertrauens nachfragen. In der Regel haben die Winzer eine Art Exposé, das sie dir auf Anfrage schicken. Ich bin großer Fan von deutschen Weinen, denn da kannst du diese Exposés auch lesen und verstehen :)

Die Beschreibung eines Anderen kann dir als Inpiration dienen. Nachdem du dir Klarheit über deine eigenen Eindrücke verschafft hast, kannst du vergleichen: Welche anderen und welche vergleichbaren Nuancen hast du gefunden?

 

Aber vergiss dabei nicht: Dein Geschmack bzw. dein Geschmackserlebnis zählt! Es geht nicht darum, genau das zu schmecken, was in der Weinbeschreibung steht. Es gibt kein richtig oder falsch beim Geschmack.

Fazit

  •  Das Schokoladen-Aroma bekommt Wein oft durch den Ausbau im kleinen Barrique-Eichenholzfass.
  • Weinbeschreibungen sind ein Hilfsmittel, um Menschen einen Anhaltspunkt zu geben, in welche Geschmacksrichtung der Wein geht.
  • Wenn du keine „Schokolade“ willst, sondern einen Wein, dann verlasse dich voll und ganz auf deine eigene Geschmackswahrnehmung.

Dein Geschmack zählt!


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Wie hältst du deine Geschmackseindrücke „fest“?

Und hast du schon mal Schokolade im Wein herausgeschmeckt?

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Kommentare: 6
  • #1

    Annetje (Donnerstag, 13 April 2017 14:09)

    Compliment weer voor deze leuk blog, Elske, ik heb meteen chocolade gekocht - Tony Chocolonely natuurlijk!

  • #2

    Elske Schönhals (Dienstag, 18 April 2017 14:05)

    Liebe Annetje,
    dank je wel! Nachdem ich für das Titelbild recherchiert habe, hatte ich plötzlich auch so RICHTIG Lust auf Schokolade :) Tony's Chocolonely und ein herrliches Gläschen Portwein... hmmm... wer braucht schon Schokolade IM Wein, wenn man sie DAZU essen kann? :)
    Viele Grüße aus Deutschland - wo es leider noch keine Tony's Chocolonely gibt,
    Elske

  • #3

    Gitta W. (Donnerstag, 27 April 2017 13:22)

    Es tut mir jedesmal weh wenn ich keinen Kommentar geschrieben habe. Darum hole ich es nach. Du hast so tolle blogs und ich lese sie natürlich immer. Mir fallen beim Schnuppern der Weine häufig keine entsprechenden Beschreibungen ein. Aber Schokolade könnte ich schon manchmal beim Wein trinken. Aber wenn ich einen Wein im Geruch als angenehm oder sympathisch empfinde schmeckt er mir auch.

  • #4

    Elske Schönhals (Donnerstag, 27 April 2017 19:28)

    Liebe Gitta, danke :)
    Immer schön weiter schnuppern... und einfach mal wild drauf los assoziieren. Mir hilft auch zu überlegen: "Wenn ich diesen Wein rieche, fühle ich mich an........ erinnert." Eine Situation, eine Jahreszeit oder ähnlich. Über diesen Umweg komme ich dann manchmal auf die Beschreibung eines Duftes, die mir anders nicht so schnell eingefallen wäre.
    Viel Freude beim Entdecken, Elske

  • #5

    Die Freiberuflerin (Montag, 23 Oktober 2017 11:08)

    Ein sehr interessanter Beitrag, aus dem ich einiges Neues gelernt habe :) Vielen Dank dafür!

  • #6

    Elske Schönhals (Montag, 23 Oktober 2017 11:15)

    Sehr gerne geschehen! Liebe Grüße, Elske