Aktuell im Oktober: Warum bei der Traubenlese kein Wein gelesen wird

Aktuell im Oktober: Warum bei der Traubenlese kein Wein gelesen wird
H. Schönhals

Es ist Traubenlesezeit! Ich finde den Herbst die spannendste und schönste Zeit des Jahres. Es riecht überall herrlich, die Morgenstimmung ist einfach umwerfend. Man ist nur am Jacke an- und ausziehen: morgens kalt, nachmittags T-Shirt-Wetter. Und im Weinberg ist jetzt richtig was los. Ich verrate dir eines: Es ist NICHT die Weinlese!

 

Komm mit, lass uns gemeinsam etwas Herbstluft schnuppern und entdecken, was momentan im Weinberg passiert!

Gerade war ich in Versuchung… ich wollte doch tatsächlich Weinlese statt Traubenlese schreiben. Seit Jahr und Tag verstehe ich nicht, woher dieses Wort kommt. Es ist weniger so, dass die Bedeutung des Wortes unklar ist. Aber: WEIN wird doch nicht gelesen! Die TRAUBEN werden gelesen.

Nun gut, es heißt ja auch Weinberg und Weinreben, statt Traubenberg und Traubenreben. Es geht um das große Ziel, welches der Winzer anstrebt: WEIN. Mit diesem Ziel klar vor Augen, soll jede Tätigkeit diesem Ziel dienen.

Das finde ich wiederum ein schönes Bild. Da kann man sich vielleicht eine Scheibe von abschneiden. Wohin möchte ich? Was ist denn mein Ziel? Dient das, was ich gerade tue meinem Ziel? Und so weiter. Der Winzer hat da offenbar Klarheit ;)

 

So, jetzt werfen wir einen Blick in den Weinberg. Die Trauben reifen und reifen. Jeder Sonnentag bringt höhere Mostgewichte (das ist das Maß für den Zuckergehalt). Die Säure wird beständig abgebaut und Aromen werden gebildet.

Die Trauben werden entweder von Hand oder mit einer Traubenlesemaschine (Traubenvollernter) gelesen.

 

Die Blätter verfärben sich gelb und/oder rot. Das geschieht dadurch, dass die Chloroplasten abgebaut werden. Die daraus entstehende Energie wird für die Reife des einjährigen Holzes und die der Trauben verwendet.
Die Verfärbung ist übrigens Rebsorten-Typisch und hat nichts mit der Beerenfarbe zu tun. Die Burgundersorten (z.B. Spätburgunder, Grauburgunder und Weißburgunder) verfärben sich beispielsweise ausschließlich gelb, auch wenn der Spätburgunder eine blaue Beerenfarbe hat.

Ich bin so gespannt auf die 2016er Weine! Es war für die Winzer ein herausforderndes Jahr, vor allem durch die warmen und feuchten Tage im Frühsommer.

Die Weinqualität entsteht im Weinberg. Jetzt geht es darum, die optimalen Bedingungen für die Weinbereitung zu schaffen. Also, ihr Winzer: Haltet fest euer Ziel vor Augen – das ist ganz in unserem Interesse :)

 

 

Hast du eine Frage zum Winzerjahr? Ich beantworte sie dir gerne.

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Kommentare: 2
  • #1

    Gitta Werner (Mittwoch, 12 Oktober 2016 16:13)

    Hallo Elske, wieder sehr gelungen. Witzig, informativ und der Beitrag liest sich sehr leicht, ich habe wieder neues erfahren. Mit der Wortbildung in der deutschen Sprache ist es in der Tat nicht einfach. Traubenberg oder Rebstockberg könnte man sagen aber es hört sich nicht so gut an. Oder sind wir die Worte nur nicht gewohnt? Sie wurden halt vor langer Zeit schon kreiert.
    Behalte du auch dein großes Ziel im Auge. Weiter so. Seeeehr gut und gekonnt geschrieben.
    LG Gitta

  • #2

    Elske Schönhals (Mittwoch, 12 Oktober 2016 20:37)

    Liebe Gitta,
    herrlich: Rebstockberg :) Umgangssprachlich gehen manche Winzer auch "in den Wingert", "in die Reben" oder "ins Feld".
    Ich freue mich, dass du etwas mitnehmen konntest!