Ich kaufe meinen Wein nach Etikett! Mit diesen vier einfachen Tricks schaffst du das auch...

Ich kaufe meinen Wein nach Etikett! Mit diesen vier einfachen Tricks schaffst du das auch...
Pezibear/pixabay

Du stehst im Supermarkt. Der Wochenend-Einkauf liegt schon im Einkaufswagen. Ach ja, dein Weinvorrat ist leer. Du brauchst noch ein Fläschchen Wein! Auf zum Weinregal. Und dort?

Das Weinsortiment. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer eines ratlosen Weinkaufenden...

 

Auf meine Frage hin, nach welchen Kriterien Menschen Wein im Supermarkt auswählen, höre ich oft ein verschämtes „Na ja, nach dem Etikett“. Und ich kann dir ein Geheimnis verraten: Im Supermarkt kaufe ich auch immer nach Etikett!

Und du solltest auch dazu stehen!

Immerhin verbringen Winzer und Designer Wochen damit, ein stimmiges Konzept für das Outfit eines Weines zu finden. Dazu gehört alles mögliche: Etikettenpapier, Logo, Farben, Schriftarten und -größen, Formulierungen. Dazu kommen Flaschenform, Flaschenfarbe, Verschluss, Kapsel… Die Liste könnte ich unendlich weiterführen.

Mal abgesehen davon: Was bleibt dir auch anderes übrig? Anders als bei Obst oder Gemüse kann man beim Wein die Qualität nämlich nicht intuitiv nach dem Äußern beurteilen. Bestimmt hast du schon mal eine Flasche Wein mit ansprechendem Äußeren gekauft und der Wein selbst war so RICHTIG gruselig. Brrr…

Es geht um das gelungene Gesamtkonzept: Die Flasche soll Lust auf den Wein machen und der Wein soll super schmecken!

Dafür gibt es ein paar einfache Regeln. Außer auf das Design, schaust du ab jetzt mit neuem Blick auch auf den Inhalt des Etiketts. Damit landest du einigermaßen sicher im Bereich der genießbaren Weine. Das ist kein Hexenwerk!

Deutsche Weinguts-Weine auswählen

 

Es ist kein Geheimnis: Ich bin ein Fan von Deutschen Weinen! Ein großer Vorteil, wenn du deutsche Weine kaufst, ist, dass du das Etikett auch lesen kannst :)

Außerdem findet man unter den deutschen Weinen im Supermarkt oft Weingutsweine. Das heißt, hinter der Weingutsbezeichnung steht ein „echtes“ Weingut in dem dieser Wein auch hergestellt wurde. Das ist erkennbar an der Angabe "Gutsabfüllung" oder "Erzeugerabfüllung".

Im Gegensatz dazu verkaufen die großen Weinkellereien (z.B. Peter Mertes, Mack & Schühle, bzw. Peter Riegel im Ökowein-Bereich) oft Markenweine. Das sind Cuvées aus verschiedenen Rebsorten von vielen verschiedenen Winzern. Cuvée heißt übrigens soviel wie „Verschnitt“ bzw. „Vermischung“ verschiedener Fässer, nur dann Winzer-mäßig ausgedrückt.
Von diesen Weinen habe ich bisher nur wenig leckere getrunken. Ich würde dir hier auch unbedingt dazu raten, dich im höheren Preissegment zu bewegen (mehr dazu später).

Faustregel: Wenn auf dem Rückenetikett so was wie "Gutsabfüllung", "Erzeugerabfüllung" oder „Abfüller: Weingut XYZ“ steht, würde ich sagen: Super, kommt in die engere Auswahl!

Rebsorten-Weine bevorzugen

 

Eine gute Indikation für den Geschmack ist die Rebsorte. Diese Angabe ist für mich ein absolutes Muss, denn die Rebsorte gibt eine geschmackliche Großrichtung vor.

Wenn du einen Wein mit Rebsorten-Angabe kaufst, hast du die Information, die du dazu brauchst, dir ein Bild über deine Geschmacks-Wahrnehmung zu machen.

Ich persönlich würde zum Beispiel eher zu Riesling tendieren, weil ich spritzige Weißweine mit einer kräftigen Säure mag. Wer es milder in der Säure mag, wählt einen Weiß- oder Grauburgunder.
Bei den Rotweinen würden die Filigran-Trinker wahrscheinlich einen Spätburgunder und die Vollmundigen einen Dornfelder oder Regent bevorzugen.

Geschmacksangabe: trocken, halbtrocken, lieblich oder feinherb

 

Was heißt denn eigentlich trocken, halbtrocken und lieblich? Das ist im deutschen Weingesetz klar geregelt und soll dem Verbraucher helfen die Weine einschätzen zu können.

Es geht hier allerdings nur um den sogenannten Restzuckergehalt bzw. die Restsüße. Das ist der Zucker, der während der Gärung nicht komplett in Alkohol umgewandelt wurde.

  • Bei trockenen Weinen ist das bis maximal 9 Gramm pro Liter Restzucker,
  • bei halbtrockenen Weinen bis 18 Gramm pro Liter und
  • bei lieblichen Weinen bis 45 Gramm pro Liter.
  • Danach kommt noch süß – ab 45 Gramm pro Liter Restzucker. Das ist dann schon ziiiemlich süß…

 

Wenn auf dem Etikett nicht ausdrücklich „trocken“ steht kannst du in der Regel davon ausgehen, dass der Wein mindestens halbtrocken ist. Welche Richtung du wählst ist Geschmackssache.

 

Es gibt eine weitere zugelassene Angabe, die du häufig finden wirst, nämlich feinherb. Feinherb gibt dem Winzer einen gewissen Interpretations-Spielraum. Ganz im Sinne von „feinherb ist das, was feinherb schmeckt“. In der Regel sind diese Weine halbtrocken, haben aber oft auch einen kräftigen Geschmack. Probiere einfach mal aus!

Mittlere Preiskategorie

 
Wo im Weinregal du dich umschauen musst, liegt auch oft am Preis. Doch wieviel solltest du für eine Flasche Wein ungefähr ausgeben?

Die Rechnung ist recht einfach: Etwa ein Euro wird kalkuliert für die Ausstattung der Weinflasche. Dazu kommt noch der Fasswein-Preis von 70 Cent bis zwei Euro. Dann ist der Wein noch nicht abgefüllt, transportiert, vermarktet. Zusätzlich möchten Winzer und Händler auch noch daran verdienen.
Wenn also ein Wein 2,99 € kostet, wurde mit höchster Garantie an der Weinqualität und damit am Geschmack gespart. Logisch, oder?

 

Faustregel: Ich kaufe immer in der sechs bis zwölf Euro Preiskategorie. Das hat sich für mich bewährt – vor allem weil ich am liebsten Ökoweine kaufe. Diese liegen preislich etwas höher als der Durchschnitt.

Fazit

 

Wenn du im Supermarkt Wein aussuchst, dann kannst mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einen trinkbaren und wohlschmeckenden Wein auswählen, wenn du diese vier einfachen Regeln beachtest:

  • Deutsche Weinguts-Weine kaufen
  • Rebsorten-Weine bevorzugen
  • Geschmacksangaben (trocken, halbtrocken) beachten um deinen Geschmack zu treffen - ohne Angabe bedeutet in der Regel "mindestens halbtrocken"
  • Preiskategorie 6-12€


Dass dich das Etikett ansprechen sollte, versteht sich von selbst ;)

Wenn du gerne mehr über deinen ganz persönlichen Weingeschmack erfahren möchtest, stehe ich dir mit Rat und Tat in meinen Weinseminaren (hier klicken) zur Verfügung!

 

 

Was sind deine Kaufkriterien für Weine im Supermarkt?

Ich bin schon sehr gespannt - schreib mir jetzt in den Kommentaren!

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Brigitta T-W (Donnerstag, 02 Juni 2016 15:49)

    Hallo Elske, schade daß ich keine Weine mehr im Supermarkt kaufe, da ich ein spezielles Weingut bevorzuge. Mit deinen ausführlichen und anschaulichen Erklärungen hätte ich nun kein Problem im Supermarkt eine guten Wein zu finden.
    Weiter so.

  • #2

    Anneli (Freitag, 03 Juni 2016 10:01)

    Liebe Elske,
    vielen Dank für die Tipps, einiges habe ich bisher schon so gehalten, anderes ist neu und erhellend - jedenfalls freue ich mich immer, wenn ich von dir was lesen kann und nun fiel mir ein, dass ja noch der "Erdbeer"-Artikel ungelesen im PC schlummerte. Den habe ich dann sofort aufgerufen und mich ebenfalls daran erfreut. Frisch, munter, unterhaltsam und lehrreich ohne belehrend zu sein - Glückwunsch!!!
    Liebe Grüße Anneli

  • #3

    Elske Schönhals (Montag, 06 Juni 2016 15:06)

    Liebe Brigitta, Weine beim Winzer kaufen hat was für sich! Mehr dazu gibts hier:

    http://www.elskeschoenhals.de/2016/04/21/das-gute-liegt-so-nah-5-gr%C3%BCnde-deutsche-weine-zu-kaufen-und-zu-trinken/

  • #4

    Elske Schönhals (Montag, 06 Juni 2016 15:08)

    Liebe Anneli,
    danke für das Kompliment :) Ich hoffe dir hat der Erbeer-Geschmacksartikel gefallen.

    Für die Neugierigen... hier ist er:
    http://www.elskeschoenhals.de/2016/05/19/geschmack/

  • #5

    Winzer E. (Mittwoch, 08 Juni 2016 20:05)

    Ich kauf meinen Wein nicht selbst - ich MACH ihn selbst und den trink ich mit Begeisterung!
    Nur, wenn ich im Urlaub im Ausland meinen Wein kaufe, dann ist meist der Supermarkt dran. Nicht ganz einfach mit nur "deutsch". Aber in dem Fall ganz wichtig: wie hoch ist der Alkoholgehalt.
    Locker und leicht trinkbare Weine haben meist Alkoholgehalte zwischen 11,5 und 12,5 vol% Alk. Da sind meine Vorlieben!
    Zum 2,99 €-Preis im Newsletter: der billige Preis könnte auch auf Kosten der Winzer so niedrig ausfallen - wenn den "Fassweinerzeugern" das Wasser bis zum Hals steht und sie verkaufen MÜSSEN, damit das Konto nicht zu rot wird. Sie kennen die heillose Diskussion um die abartig niedrigen Milchpreise?: Gleiches Problem....

  • #6

    Elske Schönhals (Dienstag, 14 Juni 2016 10:07)

    Danke, Winzer E., der Alkoholgehalt ist auch ein super Indikator - der fehlt in meiner Liste. Das werde ich bei nächster Gelegenheit beachten.
    Zum Preis... ob Qualität oder Entlohnung: Es wird am falschen Ende gespart!