Blick in den Weinberg: alles schläft noch... oder doch nicht?

Spätburgunder Weinberg nach dem Rebschnitt
S. Roßmann

 Was macht denn ein Weinberg um diese Jahreszeit? Es sieht aus, als ob alles schläft… und doch: Es passiert schon etwas!

Die Weinstöcke wurden in den kalten Monaten geschnitten und das Rebholz wurde herausgezogen. Dann wurden die „Bogreben gebogen“. Das heißt, dass die Reben aus einjährigem Holz angebunden werden, denn - man möchte es kaum glauben - auch Reben brauchen Erziehung! Als Lianengewächse würden sie am liebsten kreuz und quer und an Bäumen wachsen. Das ist dem Winzer natürlich nicht so recht, denn dann wäre die Traubenlese doch ein ziemlicher Akt. So werden die Reben in einem Spaliersystem „erzogen“, wo sie gut zu bearbeiten und die Trauben später gut zu lesen sind.

Spätburgunderknospe im Schwellstadium
Spätburgunderknospe aus der sich ein neuer Trieb mit ein bis drei Trauben entwickeln wird (S. Roßmann)

Zurück zu diesem Weinberg: Der Temperaturanstieg der letzten Tage hat bewirkt, dass die Reben anfangen zu bluten. HILFE! BLUTEN?!? ... Kein Grund zur Sorge: An den Schnittstellen tropft der Rebsaft, bis sich eine Kruste gebildet hat. Das lässt das Winzerherz höher schlagen, denn es ist ein sicheres Zeichen, dass der Frühling kommt und die Reben aus dem Winterschlaf erwacht sind.

Ein weiteres Anzeichen, dass schon einiges passiert, sind die Knospen: Sie beginnen sich zu verdicken (auf Winzerisch: sie schwellen). Da kann der Austrieb nicht mehr lange dauern. Jetzt heißt es geduldig sein - abwarten und Wein trinken!

 

(Der Besitzer dieses Weinbergs sollte allerdings vielleicht noch keinen Wein trinken, sondern mal schnell die Rebschere zücken. Das Bild der Knospe stammt nämlich aus einem noch ungeschnittenen Weinberg.)

 

Einstweilen also: Zum Wohl!

 

Hast du eine Frage zum Winzerjahr? Ich beantworte sie dir gerne! Schreibe mir einen Kommentar unten - ich freue mich auf deinen Beitrag. Und nicht vergessen: Es gibt keine doofen Fragen!

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Annetje (Samstag, 09 April 2016 22:42)

    Schön erklärt, Dank!
    Aber vielleicht noch ein Bild von einer wilden Rebe?

  • #2

    Elske Schönhals (Sonntag, 10 April 2016 18:10)

    Liebe Annetje,
    Eine gute Idee! Vielen Dank für die Anregung. Nur leider muss das bis nächstes Jahr warten - dann gibt's ein vorher/nachher Photo.
    Viele Grüße,
    Elske

  • #3

    Giulietta (Mittwoch, 13 April 2016 19:16)

    Ich finde die Erklärung erfrischend und spannend - so darf es weitergehen durch das Winzerjahr! Auf die nächsten Newsletter freue ich mich jetzt schon.
    Viele Grüße
    Giulietta

  • #4

    Eugen (Sonntag, 17 April 2016 12:06)

    Auch wenns vordergründig ausieht als wenn die reben schliefen - die Winzer jedenfalls sind hellwach und beobachten wie die Augen/Knospen in "die Wolle" gehen und dann ihr erstes Blatt entfalten.

    Und von wegen "wohlerzogen" - es gibt auch die "antiautoritär erzogenen" - angepasst an die natürliche Wuchsform den Baum hinaufzuwachsen. Wir nenn es MINIMALSCHNITT - wirr und wild dürfen die Reben innerhalb des Drahtrahmens eben sich selbst entfalten. Muss man sich ansehen...